Ein Fluss erholt sich

Wer noch vor zwei Jahrzehnten behauptete, die Panke sei ein lebendiger Naturraum, hätte sich kaum Gehör verschafft. Jahrzehntelange Verschmutzung, Begradigung und Versiegelung der Ufer hatten den Fluss in einen ökologischen Grenzfall verwandelt. Doch seit den Renaturierungsprojekten der 2000er und 2010er Jahre hat sich das Bild gewandelt. Heute ist die Panke auf weiten Strecken ein bemerkenswerter Lebensraum – mitten im dicht besiedelten Berliner Norden.

Vogelwelt: Eisvogel und Graureiher als Symboltiere

Der wohl spektakulärste Bewohner der Panke ist der Eisvogel (Alcedo atthis). Dieser leuchtend blau-orangefarbene Vogel gilt als Indikator für sauberes, fischreiches Wasser – und sein regelmäßiges Auftreten an der Panke zeigt, dass sich die Wasserqualität verbessert hat. Besonders gut zu beobachten ist er in den naturnahen Abschnitten zwischen Pankow und Reinickendorf.

Weitere regelmäßige Bewohner und Gäste:

  • Graureiher – stehen geduldig im flachen Uferbereich auf der Lauer
  • Stockente und Reiherente – brüten in ruhigen Uferzonen
  • Gebirgsstelze – trotz ihres Namens auch an Stadtflüssen heimisch
  • Teichrohrsänger – in Schilf- und Röhrichtbereichen zu hören
  • Nilgans – ein neuer Bewohner, der sich in Berlin stark ausbreitet

Fischfauna: Dreistachliger Stichling und mehr

In der Panke konnten in den letzten Jahren wieder mehrere Fischarten nachgewiesen werden. Besonders der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) ist häufig anzutreffen – er ist robust, anpassungsfähig und gilt als Pionierart in sich erholenden Gewässern. Darüber hinaus wurden Vorkommen von Rotauge, Barsch und vereinzelt sogar Bachforelle dokumentiert, vor allem im Oberlauf in Brandenburg.

Uferpflanzen: Zwischen Neophyten und Ureinwohnern

Die Ufervegetation der Panke ist ein Spiegel der Stadtgeschichte. Neben heimischen Arten wie Rohrglanzgras, Blutweiderich und verschiedenen Seggenarten haben sich auch invasive Neophyten wie das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) und der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) ausgebreitet. Diese verdrängen einheimische Arten und stellen Naturschützer vor Herausforderungen.

Besonders artenreich sind die renaturierten Abschnitte, wo naturnahe Böschungen und Flachwasserzonen angelegt wurden. Hier findet man:

  1. Wasserschwertlilie (Iris pseudacorus)
  2. Sumpfdotterblume (Caltha palustris) – vor allem im Frühjahr
  3. Schwanenblume (Butomus umbellatus)
  4. Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)

Insekten und Amphibien: Unterschätzte Artenvielfalt

Weniger spektakulär, aber ökologisch bedeutsam: An der Panke leben zahlreiche Libellenarten, darunter die farbenprächtige Prachtlibelle, sowie verschiedene Wildbienenarten in den Uferbermen. Gelbbauchunke und Teichfrosch nutzen die ruhigeren Gewässerabschnitte als Laichgewässer. Diese Artengruppen reagieren empfindlich auf Wasserqualität und Strukturvielfalt – ihr Vorkommen ist ein gutes Zeichen.

Was Sie beim Besuch beachten sollten

Die Panke-Ufer sind in vielen Bereichen Schutzgebiete oder zumindest sensible Lebensräume. Besucher können viel tun, um die Erholung des Ökosystems zu unterstützen:

  • Wege nicht verlassen, insbesondere in Brutzeiten (März–Juli)
  • Hunde anleinen in ausgewiesenen Bereichen
  • Keinen Müll hinterlassen – besonders Plastik schadet Wasservögeln
  • Keine Neophyten einschleppen (z. B. durch Schuhe aus anderen Gebieten)